Was grossartige Lehrpersonen anders machen – Die 80/20 Regel

Lesezeit: 3min.

Lehrerin oder Lehrer sein ist eine echte Herausforderung, auch wenn der Beruf enorm erfüllend sein kann. Es gibt wahrscheinlich wenig, was genauso Freude macht, wie mit jungen, lebendigen Menschen zu arbeiten und gemeinsam Projekte anzugehen.

Der Lehrberuf beinhaltet eine grosse Menge von unterschiedlichsten Aufgaben wie Unterricht vorbereiten, durchführen & nachbereiten, Prüfungen schreiben, korrigieren & beurteilen, Zeugnisse zusammenstellen, Klassenklima pflegen, Lernende motivieren, Störsituationen bewältigen, Elternabende & -einzelgespräche führen, Admistration und Verwaltung von Schülerdokumenten, Emails & Briefen etc., Teilnahme an Sitzungen, Konferenzen und Weiterbildungen, um die wichtigsten zu nennen.

Und das alles gleichzeitig. Kein Wunder fühlt sich der Schulalltag manchmal wie ein mentaler Marathon an.

Das Problem ist auch, dass in diesem Beruf, wo einem kein Chef sagt, wann Schluss ist, man immer irgendetwas noch besser machen könnte. Es gibt immer Arbeiten, die man nochmals feinschleifen und verbessern kann. Niemand sagt einem, wo die Grenzen sind. Man muss sie sich selber setzen.

Vor allem Perfektionisten müssen lernen, sich selbst zu schützen.

Folgendes sollte man sich als Lehrer oder Lehrerin immer wieder fragen:

“Was ist wirklich wichtig? Welche Bausteine meiner Arbeiten haben die grösste Auswirkung auf meinen Berufsalltag?”

Um diese Frage zu beantworten, muss man Entscheidungen treffen.

Zu entscheiden heisst wortwörtlich etwas zu “entfernen”. Reduzieren, minimieren oder ganz eliminieren. Prioritäten erkennen und sich auf das Wesentliche konzentrieren.

Dafür eignet sich das Pareto-Prinzip.

Vilfredo Pareto war ein italienischer Ingenieur, Soziologe und Unternehmer im 19. Jh. Er war stets bestrebt, möglichst effizient und produktiv zu arbeiten.

Von ihm stammt das Prinzip des Verhältnis von 80 zu 20. Sie basiert darauf, dass man nicht nur “hart” arbeiten sollte, sondern auch “smart”.

Es ist essentiell, sich nur auf die absolut wichtigsten Tätigkeiten zu konzentrieren. Wenig Zeit nur in den wichtigsten Teil der Arbeit zu stecken, um Zeit zu gewinnen. Den Kern einer Tätigkeit auf das Essentielle herunterzubrechen und alles andere als unwichtig zu deklarieren. Mit möglichst wenig Aufwand den grösstmöglichen Effekt bewirken, indem man nur das Wesentliche tut.

In Zahlen ausgedrückt resultieren 80% unserer Ergebnisse oft nur aus 20% unserer wichtigsten Tätigkeiten. Das ist das Pareto-Prinzip.

Welche Bausteine sind die 20%, welche 80% all unserer Resultate bewirken?

Beispielsweise ist es möglich, dass nur 20% unserer Unterrichtsvorbereitung 80% der Ergebnisse einer Lektion ausmachen. Ein bestimmtes Arbeitsblatt könnte viel wichtiger sein, als die anderen 4 zusätzlichen Übungsblätter, die man als Lehrperson mühevoll zusammengesucht hat. Die SchülerInnen erinnern sich schlussendlich nur an etwas Kleines und Wichtiges, das sie im Unterricht gelernt haben. Der Rest war weniger wichtig.

Ein Beispiel des Pareto-Prinzips bei störenden SchülerInnen sind mehrfache und langwierige Diskussionen, welche viel energieraubender sein können als ein sofortiges Telefonat an die Eltern, was nur 3min. dauern kann. Oder langfristig eine gute Beziehung zum Schüler aufzubauen kann viel hilfreicher sein und sogar Freude bereiten.

Manchmal ist das Verhältnis der Pareto-Regel sogar noch extremer mit z.B. 95:5 oder 99:1. SchülerInnen kann man im Unterricht stark motivieren, wenn man als Lehrperson täglich enthusiastisch ist (auch nur geschauspielert!), kombiniert mit regelmässigem Lob der Lernenden. Das benötigt keine zusätzliche Vorbereitung, verglichen zu einem aufwändigen Unterrichts-Konstrukt, welches stundenlange Arbeit bedeuten kann.

Im Umkehrschluss der 80/20-Regel bedeutet dies auch, dass manchmal 80% der Arbeiten leider nur 20% der Ergebnisse bringen. Sprich ein riesiger Teil unserer Tätigkeiten praktisch unwichtig oder ergebnislos ist.

Beispielsweise kann man als Lehrperson entscheiden, ob man für einen Elternbrief nur 10 bis 15 Minuten investiert, oder ob man eine ganze Stunde daran schreiben will. Bei 10-15min. mag der Brief nicht perfekt sein und sich sogar mal Schreibfehler einschleichen, aber solange die Kernaussagen enthalten sind, ist das Ziel erreicht. Bei 60min. Arbeit hat man eventuell einen wunderbaren Brief geschrieben und keinen einzigen Fehler gemacht, aber gerade 45 Minuten geopfert, welche man für wertvollere Dinge hätte nutzen können.

Man sollte stets aufmerksam sein und sich selbst beobachten, damit man zunehmend erkennt, in welche Dinge man eventuell unnötig viel Zeit investiert, weil sie schlussendlich nicht viel mehr bringen. Es gibt Wichtigeres zu tun.

Gerade bei einem 100%-Penusm als Lehrperson hat man nicht immer die Zeit, schon gar nicht als BerufseinsteigerIn, jedes Mal einen riesigen Zeitaufwand für jede der vielen Aufgaben im Lehrberuf zu betreiben.

Die “guten” 20% der Arbeiten muss man ausbauen und die restlichen 80% über Bord werfen, damit man Zeit für die wirklich wichtigen Dinge hat. Zeit für sich, Zeit für die Schülerinnen und Schüler und Zeit für guten Unterricht.

(Das Gleiche gilt übrigens für das Privatleben. Viele Menschen z.B. ziehen 20% der Kleider 80% der Zeit an, weil sie sich in diesen am wohlsten fühlen.)

5-Minuten Aufgabe für dich:
Denke an eine Sache im Beruf, welche dich täglich herausfordert. Überlege, was du alles dafür an Zeit und Energie investierst. Dann wägst du ab, welche 20% deiner Tätigkeiten dabei wirklich entscheidend sind. Die anderen 80% reduzierst, minimierst oder eliminerst du ganz. Viel Erfolg!

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Wenn du dich noch mehr mit Produktivität und Effizienz auseinandersetzen willst, kann ich dir diese beiden Bücher empfehlen. Sie haben mir persönlich bei der Weiterentwicklung als Lehrer sehr geholfen:

Die 4-Stunden Woche von Tim Ferris (Link)

Tim Ferris ist ein amerikanischer Unternehmer im Silicon Valley und ein echter Meister in der Anwendung des Pareto-Prinzips. In seinem Buch “The 4-Hour-Workweek” geht er detailliert auf tägliche Herausforderungen im Beruf und als Selbständiger ein, und erklärt, wie er seine Arbeitszeit reduziert, aber dabei nicht auf Qualität verzichtet. Im Gegenteil – durch die 80/20-Regel und weitere Prinzipien steigert er die Gesamtqualität all seiner Arbeit.

Die 7 Wege zur Effektivität von Dr. Stephen R. Covey (Link)

In seinem Buch “The Seven Habits of Highly Effective People” erklärt der Hochschullehrer Stephen Covey sieben einfache Prinzipien, die man auf die Arbeit und das Privatleben anwenden kann, um die Arbeits- und Lebensqualität enorm zu verbessern.

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Photo credit: https://www.pexels.com/photo/happy-coffee-6347/

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