Klassenklima und Unterrichtsstörungen in 7 Schritten meistern – Garantiert. (Teil 1 – Sinnvolle Regeln)

Lesezeit: 5min.


Serie in 7 Teilen

Das äusserst wichtige Thema Klassenklima wird als Serie in 7 Teilen publiziert.

Jeweils ein- oder zweimal pro Woche wird der nächste Schritt erscheinen.

Der Grund ist, dass dieses Thema nicht über Nacht bewältigt werden kann. So können LeserInnen pro Woche jeweils einen oder zwei Schritte in Angriff nehmen.

Wer eher der Typ ist, der trotzdem alles auf einmal erarbeiten will und sich genügend Zeit dafür nehmen kann, darf sich gerne über das Kontaktformular bei mir melden. Dann würde ich alle 7 Schritte per Mail schicken. Bedingung ist aber, dass man den ersten Schritt zuerst erarbeitet hat.

Ansonsten werden alle 7 Teile am Schluss nochmals als Gesamtartikel publiziert, ca. Anfangs Januar 2018.


Mein Versprechen für dein Klassenklima

Liebe Lehrerinnen- und Lehrer-Freunde

Mit diesem Artikel begehe ich ein Wagnis.

Ich gebe hiermit das Versprechen jeder Lehrperson, die Klassenklima-Probleme hat, die meisten ihrer Herausforderungen mit den hier vorgestellten Werkzeugen (7 Schritten) lösen kann.

Für alle Probleme kann ich es nicht versprechen, denn es gibt keine fixe Anleitung, welche auf jedes Problem angewendet werden könnte.

Es geht um grundsätzliche Prinzipien, welche man als Lehrperson anwenden kann. Im Grunde genommen sind es bereits bekannte Inhalte, nur hapert es manchmal an der konkreten Umsetzung.

Dafür will ich nun Abhilfe schaffen.

Voraussetzung für den Erfolg ist, sich ernsthaft mit den Inhalten zu befassen, sich die Zeit für Planung zu nehmen (während mind. 4-6 Wochen) und die 7 Schritte tatsächlich umzusetzen.

Ernsthafte Umsetzung bedeutet:

  1. Einen eigenen Plan auf Papier zu bringen.
  2. Täglich und wöchentlich diese Werkzeuge anzuwenden und zu üben.
  3. Selber wöchentlich zu evaluieren, was genau funktioniert und was nicht.

(Jetzt wäre der Zeitpunkt, den Notizblock hervor zu nehmen, wenn du es noch nicht getan hast.)

Wer es mit diesen 7 Schritten trotzdem nicht schaffen sollte, bestimmte Erfolge zu verbuchen, bin ich bereit per Email oder Skype auf Freiwilligenbasis zu coachen und beraten. Über das Kontaktformular kann man mir eine Nachricht schicken.

Wer das Gefühl hat, keine Zeit für das Thema Klassenklima zu haben, sich aber darüber beklagt, muss anfangen umzudenken. Man muss überlegen, wo man sich Zeit verschaffen könnte.

Verzichte ich mal auf eine Arbeit im Büro, die vielleicht gar nicht so wichtig ist? Scrolle ich mal nicht eine halbe Stunde lang auf Facebook oder Instagram herum? Oder verzichte ich mal meine nächste Netflix-Lieblings-Serie? Stehe ich am Samstag Morgen mal eine Stunde früher auf als normal?

Zeit hat im Grunde genommen jeder Mensch genügend. Es ist nur die Frage, wofür man sich Zeit nimmt und wofür nicht.

Eins kann ich jetzt schon verraten – Wer sich heute die Zeit für eine ernsthafte Umsetzung von Klassenklima-Werkzeugen nimmt, wird in Zukunft das hundertfache an Zeit gewinnen, weil das Klassenklima besser funktioniert (und man so weniger Kopfschmerzen produziert).

Viel Spass beim Lesen & Viel Erfolg bei der Umsetzung!

Euer Davide


Prolog

Klassenklima – Der Beginn sowohl auch das Ende

Das Thema “Klassenklima” ist der Berufsanfang für viele Lehrpersonen – Eine Herausforderung, an der man mächtig wachsen kann.

Für einige bedeutet es leider schnell einmal das Ende des Lehrberufs.

Störende SchülerInnen und laute Klassenzimmer etc. gehören zu den meistgenannten Gründen für den Ausstieg von bis zu 20% aller Berufseinsteigenden innerhalb der ersten wenigen Berufsjahren (z.B. in der Schweiz).

Das ist nicht gerade förderlich, wenn man bedenkt, wie viele andere Aufgaben Lehrpersonen im Schulalltag gleichzeitig bewältigen müssen. Genügend Zeit für Erholung gestaltet sich dabei manchmal sehr schwierig.

Selbst ich als langjähriger Leiter in einem Pfadfinder-Verein und eigentlich viel Erfahrung mit der Führung von Menschengruppen und Jugendlichen, habe bzgl. Klassenklima einen harzigen Berufseinstieg erlebt.

Auch ich hatte mehrmals Gedanken, den Beruf noch während dem Studium “hinzuschmeissen”, aufgrund erster Erfahrungen als Stellvertreter.

Nothing Is Impossible.

Es gibt viel Arbeit zu tun, das kann ich vor allem Berufseinsteigenden jetzt schon sagen, aber es lohnt sich.

Hat man einmal die notwendigen Werkzeuge installiert, fängt der Beruf an richtig Spass zu machen. Selbst wenn es zwischendurch wieder mal “knallt”.

Also.

Die schlechte Nachricht ist

Es wird nicht leicht. Stress, Schwierigkeiten und kreisende Gedanken (oder sogar schlaflose Nächte) sind möglich, wenn du das sowieso nicht schon hast.

Die gute Nachricht ist

Jede Lehrerin und jeder Lehrer kann es schaffen. Es gibt Werkzeuge, die jeder Mensch lernen und für sich im Alltag anwenden kann.


Alle Hindernisse und Schwierigkeiten sind Stufen, auf denen wir in die Höhe steigen.

– Friedrich Wilhelm Nietzsche


Mein Geständnis

Nur um etwas klarzustellen:

Ich bin kein perfekter Lehrer und habe selber schon einige schlimme Situationen erlebt, die mich in meiner Berufswahl kurzfristig entmutigt haben z.B.:

  • Klassen, die unaufhörlich schwatzten und nicht auf mich hörten.
  • Besonders freche und vorlaute SchülerInnen.
  • SchülerInnen, denen “alles scheissegal” war.
  • SchülerInnen, die 5 Zentimeter vor mir standen und mir ins Gesicht geschrien haben (obwohl ich 1.92m gross bin).
  • usw.

Heute passiert mir das nicht mehr (sagen wir mal – selten), weil ich aus meinen Fehlern gelernt habe.

Meine SchülerInnen kennen mich und wissen wo die Grenzen liegen. Sie kommen gerne zu mir in den Unterricht und wissen aber, dass mein Tonfall sich rasant verändern kann, wenn man sich in irgendeiner Weise respektlos verhält.

Trotzdem muss ich weiterhin täglich an einem positiven Klassenklima arbeiten und stets am Ball bleiben.

Yes, we can

Der Anfang ist am schwierigsten. Aber wenn der Ball einmal ins Rollen gekommen ist, hat man so viel Momentum aufgebaut, dass man praktisch nicht mehr aus der Bahn geworfen werden kann.

Mit der Zeit entwickelt man das Feingefühl dafür, bei welchen Störungen man wie reagieren will.

Für Anfänger gilt – Sich Zeit lassen, um die eigenen Strategien zu entwickeln und die Rolle als Autorität zu finden. Das kann einige Wochen oder Monate dauern. Und es wird Vieles in die Hose gehen, das gehört einfach dazu. Mit der Zeit wird sich aber alles einspielen, wenn man am Ball bleibt.

Hinweise

Obwohl ich persönlich glaube, dass eine gute Beziehung zu SchülerInnen DER Schlüssel zu einem positiven Klassenklima ist, müssen zuerst mal grundlegende Werkzeuge implementiert werden. Daher wird das Thema Beziehung später folgen.

Zusätzlich möchte ich darauf hinweisen, dass diese 7 Schritte keine Methodik oder Didaktik enthalten, wie z.B. die Überbrückung von unterbeschäftigten SchülerInnen etc. Dazu werde ich später mal etwas schreiben. Hier geht es rein um disziplinarische und pädagogische Werkzeuge.

Gemäss der 80/20 oder Pareto-Regel aus dem ersten Artikel versuche ich die einzelnen Schritte so kompakt und informationsreich wie möglich zu gestalten. Wenn jemand trotzdem Unklarheiten erlebt, freue ich mich über spezifische Fragen zu den einzelnen 7 Schritten.


Klassenklima Schritt 1 – Regeln und Erwartungen wirksam formulieren

Dass Regeln und Erwartungen Grundlagen sind und der Klasse kommuniziert oder gemeinsam erarbeitet werden müssen, sollte klar sein. Beachten sollte man aber zusätzlich, dass die Regeln

  1. Übersichtlich und begrenzt sind, z.B. max 3-5 Regeln herrschen. Niemand will sich 10 Regeln merken. Der Rest sollte GMV sein – Gesunder Menschenverstand.
  2. Zielorientiert und positiv formuliert sind. (Bsp. “Es spricht immer nur eine Person – aus Respekt” anstatt “Man schwatzt niemandem rein” etc.)
  3. Handschriftlich unterschrieben werden von den SchülerInnen. Dokumentation ist immer hilfreich als Gesprächsgrundlage. (Bsp. als “Vertrag” oder Plakat)
  4. Präsenz im Schulalltag haben, sprich das Einhalten gelobt wird und bei Nicht-Einhalten Konsequenzen folgen (mehr dazu in den folgenden Schritten).

5min.-Challenge für dich:

Überprüfe deine bisherigen Unterrichtsregeln und Erwartungen anhand der vorigen Kriterien. Passe sie an, wenn nötig und nimm dir in der nächsten Lektion fünf oder zehn Minuten Zeit, um sie der Klasse transparent zu machen.

Bonus-Regel “Verstumm-Regel”

Hier noch ein kleiner Tipp mit einer Regel aus meinem persönlichen Schulalltag.

Eigentlich stammt sie noch aus meiner Pfadfinder-Zeit, aber es hat sich sehr bewährt, als ich sie im Unterricht eingeführt habe.

Man bringt den SchülerInnen bei, eine bestimmte Geste mit der Hand zu machen und gleichzeitig aufhören zu sprechen, wenn es die Lehrperson vormacht. Beispielsweise den Zeigefinger auf die Lippen drücken oder die Hand hoch in die Luft strecken. Man wartet solange, bis die allerletzte Person aufgehört hat zu sprechen und bedankt sich dann bei den SchülerInnen für ihre Aufmerksamkeit. Das dauert in der Regel 10-20 Sekunden. Es hat den immensen Vorteil, dass man seine Stimme gar nicht mehr einsetzen muss, um eine grosse und laute Klasse zur Ruhe zu bringen. Je grösser die Gruppe, desto hilfreicher diese Regel. Danke, Nonverbale Kommunikation! (Die ersten paar Male mögen komisch sein, doch es wird schnell zu einer gewohnten Routine.)

Viel Erfolg bei der Umsetzung!

Bis bald und Danke fürs Lesen 😉

Euer Davide

 


 

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Lehrertricks wird ehrenamtlich geführt und alle Inhalte sind kostenlos. Das Erstellen eines Beitrags dauert ca. 1-2 Tage. Danke!

 


Vorschau zu Klassenklima Schritt 2

Wie man wirklich konsequent wird…


Photo Credit: https://www.pexels.com/photo/paper-boats-on-solid-surface-194094/

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