Klassenklima und Unterrichtsstörungen in 7 Schritten meistern – Garantiert. (Teil 5 – Eltern richtig ins Boot holen)

Lesezeit: 5min.+

Liebe Lehrerinnen und Lehrer-Freunde

Elternarbeit – Die einen verfluchen es, andere sind dankbar für funktionierende Zusammenarbeit und manche sind einfach froh, wenn sie möglichst wenig damit zu tun haben müssen.

Nichtsdestotrotz ist die Zusammenarbeit mit Eltern ein essentieller Bestandteil des Lehrberufes, denn Eltern sind das Fundament unseres Unterrichtsklimas.

Eltern haben wesentlich mehr Einfluss auf unseren Arbeitsalltag, als man vielleicht glauben mag, gerade als Berufseinsteiger, weil Werte eines Elternhauses in der Schule weiter ausgelebt werden.

Daher auch das Beitragsbild des Huhnes als Elternteil, welches mit der Nähe zum Ei einen grossen Einfluss mit der eigenen Körperwärme und -masse auf das Kind hat.

Die Kommunikation zur „Ressource Eltern” sollte man sich als Lehrperson daher nicht entgehen lassen. Wenn wir Eltern als Partner erkennen und behandeln, machen wir sie zu unseren Verbündeten, nicht zu weiteren „Probleme-Machern“.

Sie können dein Leben als Lehrperson dramatisch erleichtern, wenn du regelmässig mit ihnen zielführend kommunizierst. Seien es z.B. nur ein paar Zeilen in einem Email oder ab und zu kurze Telefonate, aber gleich mehr dazu.

Genauso kann die Elternarbeit deine Arbeit dramatisch erschweren, wenn du diese Verbindung ungenügend pflegst.

Elternarbeit soll Lehrpersonen helfen, und ihnen nicht das Leben zusätzlich erschweren.

Ich als Autor möchte betonen, dass meine Ideen für diesen Blog immer so ausgerichtet sind, dass Strategien und Handlungsweisen unsere Arbeit schlussendlich erleichtern soll und nicht mehr Arbeit bedeuten darf.

Das heisst, meine persönliche Vorgehensweise und Haltung für Eltern basiert darauf, dass ich mit dem betriebenen Aufwand im Schulalltag Zeit gewinnen will, anstatt mehr Zeit (und Nerven) zu verlieren. Zusammenarbeit und Prävention etc. sollen das Unterrichtsklima verbessern, damit man sich wieder vermehrt auf den Unterrichtsinhalt konzentrieren kann, anstatt ständig mit Störungen etc. zu kämpfen.

Einer der wichtigsten Faktoren, der uns im Studium zu wenig beigebracht wurde…

Eine kleine Geschichte meiner persönlichen Fehler als Berufseinsteiger.

Als ich das erste Mal nach dem Studium unterrichtete, erlebte ich immer wieder stressige Unterrichtssituationen, weil einzelne SchülerInnen nicht wirklich auf mich hörten, was sich auf das gesamte Klassenklima zusätzlich schlimmer auswirkte usw. – typisch Anfänger 😉

Und das natürlich alles nebst der sehr umfangreichen Unterrichtsvorbereitung, in der man als Berufseinsteiger sowieso schon ertrinken kann, wenn man nicht aufpasst…

Meine Strategie im Umgang mit Störungen war früher etwa so:

Mahnen, mahnen, mahnen, meist nur mündlich, manchmal schrieb ich „negative Einträge“ auf, welche ich den Eltern damals aber nicht weitergeleitet habe, höchstens hatte ich die SchülerInnen mal eine Stunde nachsitzen lassen usw.

Aber praktisch ohne echte Verbesserungen der Situation. Wie ich im Teil 2 dieser Serie beschrieben habe, halte ich heute nicht mehr viel von Strafen. Sie enden schnell als Teufelskreis.

Viel sinnvoller finde ich, über langfristige Ziele zu sprechen. Und viele negative Einträge werden sich bspw. immer auf das Zeugnis am Ende des Semesters auswirken. Das mache ich SchülerInnen und Eltern immer wieder klar, denn ein gutes Zeugnis ist schliesslich im Interesse aller Beteiligten.

Negative Einträge zu schreiben macht mir eigentlich keinen Spass, aber es gehört zu unserem Job als Lehrpersonen…

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

Nebst „reibungslos“ geplantem Unterricht (wie es uns ja schön im Studium beigebracht wird…) und der Rollenfindung als „Autorität“ gibt es viel mehr unterschiedliche Einflussfaktoren auf das Unterrichtsklima, welche man als Lehrperson nicht immer steuern kann.

Dazu gehören die z.B. die Rahmenbedingungen des Schulsystems, die Konstellation der SchülerInnen, sowie die Eltern, um die wichtigsten Bereiche zu nennen.

Man könnte nun diese einzelnen Bereiche nochmals in hundert weitere Detail-Faktoren einteilen, aber wir wollen lieber dem 80-20 Prinzip folgen:

Welche 20% der Einflussfaktoren bringen 80% des Outcome? (Thema des allersten Artikels dieses Blogs.)

Auf das Unterrichtsklima bezogen ist das Verhalten von SchülerInnen oft zu einem grossen Teil auf das Elternhaus zurückzuführen, und das, was dort über die Schule täglich besprochen wird – aus meiner Sicht der Anteil, welcher 80% des SchülerInnen-Verhalten widerspiegeln.

(Das sage ich bewusst ein wenig entgegen der aktuellen Hattie-Studie, dessen Fokus vor allem die Auswirkungen der Unterrichtsgestaltung auf den Schulerfolg von SchülerInnen ist, und nicht den beruflichen Erfolg von Lehrpersonen beim Klassenklima diskutiert…)

Du ahnst, worauf ich hinaus will: Die von Eltern vorgelebte Werte sowie, was zu Hause über die Schule diskutiert wird, wirkt sich voll und ganz auf das SchülerInnen-Verhalten im Unterricht aus.


Das Leben der Eltern ist das Buch, in dem die Kinder lesen.

Augustinus Aurelius

Bischof von Hippo, Philosoph & Kirchenvater (354 – 430 n. Chr.)


Welchen Einfluss habe ich auf “schwierige” SchülerInnen?

In erster Linie ist nochmals der wichtigste Faktor für ein funktionierendes Klassenklima zu erwähnen – Eine gute Beziehung zu den eigenen SchülerInnen aufzubauen, wie es im Kapitel 4 dieser Serie ausführlich diskutiert wurde.

Was sich grundlegend an meiner Zusammenarbeit mit den Eltern in den letzten Jahren geändert hat, ist die regelmässige Kommunikation zu ihnen.

Anstatt, dass die Eltern nur selten oder praktisch kein Feedback zum Verhalten ihrer SchülerInnen nebst den Prüfungsergebnissen erhalten, kriegen die Eltern meiner SchülerInnen heute etwa wöchentlich oder alle zwei Wochen irgend eine kleine Information von mir – positiv oder negativ. Lieber positiv, wenn möglich 😉

Selbst wenn es nur ein kurzer Satz über ihr Kind in einem kurzen Email ist, wie z.B. “Kevin: Du hast dir heute im Fach Deutsch Mühe gegeben, einen guten Aufsatz zu schreiben – Weiter so!”

Die Eltern sind sehr dankbar, ab und zu etwas Kleines aus dem Schulalltag zu hören. (Wie ich schon in vorigen Artikeln erwähnt habe, können solche Notizen jedes Mal für mehrere Schüler per Copy+Paste notiert werden, wenn z.B. alles digital und tabellarisch festgehalten wird.)

Und genauso melde ich mich sofort bei den Eltern, wenn sich aus meiner Sicht SchülerInnen z.B. respektlos verhalten oder den Unterricht trotz mehrmaliger Verwarnung wiederholt stören.

Dann kommen Emails von mir, wie z.B. “Claire, Fabian: MitschülerInnen wiederholend abgelenkt trotz mehreren Mahnungen der Lehrperson. Nutze bitte die Zeit im Unterricht gezielter, Gespräche kannst du in die Pause verlegen. Danke.”

Der Wirkungsbereich auf SchülerInnen kann sich über den Weg der Eltern viel stärker auswirken, als wenn man ständig nur probiert über den einseitigen Kanal zwischen Lehrperson und SchülerInnen zu arbeiten.

Heute erlebe ich immer wieder, dass störende SchülerInnen so am Folgetag, oder in der nächsten Woche, wieder wie Lämmlein in meinen Unterricht kommen, mir die Hand vorsichtig geben und sich wieder so verhalten, wie ich es mir von ihnen wünsche.

Das gibt mir dann auch direkt wieder die Gelegenheit, sie für kleine Anstrengungen zu loben und dies den Eltern erneut zurückzumelden.

Schlussendlich wollen wir alle das Gleiche

Egal, ob „liebe“, „vernachlässigende“ oder „Helikopter“-Eltern, schlussendlich wollen eigentlich die meisten das Gleiche, auch wenn manche für uns Lehrpersonen anstrengender sein können als andere:

Eltern wollen für ihre Kinder schlussendlich nur, dass es ihrem Kind gut geht.

Das einzige, was die Eltern dieser drei „Eltern-Kategorien“ voneinander unterscheidet, ist die Ansicht, welcher Weg und welche Mittel notwendig sind, um ein bestmögliches Leben für ihre Kinder zu schaffen.

Wichtig für uns als Lehrperson ist diese Grundlage bei der Zusammenarbeit mit den Eltern, für z.B. Elterngespräche. Auch wir wollen eigentlich nur das Beste für einen jungen Menschen, (egal wie nervig sie manchmal sein können) denn auch sie wollen nur das Gleiche wie wir Erwachsene – Ein erfülltes Leben führen können.

Wenn wir uns dessen bewusst werden, können wir uns besser in die Lage aller Beteiligten versetzen und gemeinsam lösungsorientiert arbeiten.

Wenn alle “Parteien” miteinander kommunizieren und klären können, was das langfristige Endziel der Schulzeit sein soll, dann kann man gemeinsam auf einen Nenner kommen und einen Konsens bilden.

Wer hat am Schluss die Verantwortung?

Nicht zu vergessen – Als Lehrperson darfst du dich immer auf die Rechte und Pflichten von Eltern berufen, welche im jeweiligen Land als Gesetzesgrundlage vorgegeben sind.

Denn, egal was schlussendlich in der Schulzeit abläuft, die Hauptverantwortung für das Wohlergehen der Kinder liegt bei den Eltern.

Daher sind die Eltern gesetzlich verpflichtet, z.B. dafür zu sorgen, dass ein Kind die Schule regelmässig besucht (Link Beispiel).

Sie haben ihre Kinder in die Welt gesetzt und es liegt an ihnen, die Verantwortung für ihre Kinder zu übernehmen.

Wir Lehrpersonen sind schlussendlich nur Begleiter, welche unsere Hand anbieten, um die Schulzeit erfolgreich abzuschliessen.

Ob die SchülerInnen dieses Angebot annehmen oder nicht, liegt bei ihnen. Und ob sie es annehmen oder nicht, liegt schlussendlich in der Verantwortung der Eltern, nicht bei uns Lehrpersonen.

Dies darf man den Eltern bei Gespräch auch ganz klar kommunizieren, finde ich.

Wir Lehrpersonen sind zur Unterstützung und Förderung da, aber nicht um den Job der Eltern zu übernehmen – Dies ist deren Aufgabe.

Mögliches Vorgehen für die Elternzusammenarbeit

Die Folge von Stufen in der Zusammenarbeit mit den Eltern kann z.B. folgendermassen aussehen:

  1. Schulbeginn – Elternabend: Man kommuniziert den Eltern, dass man als Lehrperson das Beste für die Kinder will. Jedoch liegt die Hauptverantwortung bei ihnen, wie die Rechte und Pflichten von Eltern klar vorgeben.
  2. Im Schulalltag: Positive und negative Einträge per Mail weiterleiten, SchülerInnen müssen genauso auf diese Dokumentationen Zugriff haben können. (Bis hier hin erlebe ich persönlich, dass so die meisten Alltagsstörungen so wieder aufhören.)
  3. Wenn es schwieriger wird: Kurzes Telefonat an die Eltern.
  4. Wenn es nicht besser wird: Elterngespräch vereinbaren.
  5. Wenn es immer noch nicht besser wird: Weitere Hilfe dazu holen wie Schulleitung, Sozialpädagogen und andere Fachkräfte, je nach Möglichkeiten (mehr dazu in einem anderen Blogartikel).

Besonders schwierige Elterngespräche – Unterstützung aus dem Team holen

Wenn möglich, hole dir Hilfe im Lehrpersonen-Team, indem KollegInnen oder die Schulleitung beim Gespräch dabei sein können. Sie werden auch dir dankbar sein, wenn du sie bei Angelegenheiten unterstützen kannst, wenn sie vielleicht mal auf dich angewiesen sind.

Kann niemand zusätzlich dabei sein beim Gespräch, ist eine gute Vorbereitung auf das Gespräch sehr zu empfehlen, für welches trotzdem vorher Mitarbeiter aus dem Team um deren Meinung gefragt werden können. Und sich schon vorher ein klares Outcome oder ein klares Ziel festzulegen, kann sehr hilfreich sein, weil man dann am Gespräch nicht jedes Detail besprechen muss, sondern direkt auf das Ziel zusteuern kann, zusammen mit dem Ziel der Eltern.

…So, nun hoffe ich, dass Lehrpersonen verstanden haben, welche immense Rolle die Eltern und die Zusammenarbeit sowie regelmässige Kommunikation zu ihnen spielt!

Danke fürs Lesen und viel Erfolg bei der Zusammenarbeit mit anderen Menschen!

Euer Davide


Umsetzungs-Challenge für dich:

Richte dir ein möglichst einfaches System ein (am besten digital), in welchem du dir schnell und einfach positive sowie negative Einträge zu SchülerInnen machen kannst. Zusätzlich brauchst du alle Email-Adressen der Eltern, an welche du diese Einträge per Copy+Paste direkt weiterschicken kannst, ohne grossen Aufwand.

Dann nimmst du dir ein paar SchülerInnen vor, welche dich im Unterricht stören und schreibst bei den nächsten Vorkommnissen alles kurz auf. Dies Infos leitest du sofort den Eltern weiter und machst somit SchülerInnen wie Eltern klar, dass dies sich auf das Zeugnis auswirken kann.


Bonus-Tipp „Zeitsparende Kommunikation“

Telefonate und Eltern-Gespräche können zeitlich sehr viel effizienter gestaltet werden, wenn den Eltern vorher kommuniziert wird, wieviel Zeit vorhanden ist (weil du ja gleich “einen anderen Termin hast” oder ähnlich…), z.B. 3-5min. für ein Telefonat oder max. 30min. für ein Gespräch. Diese Zeitgrenze zwingt alle Beteilgte schneller auf das Ziel zu steuern und verhindert, dass wertvolle Zeit für weniger relevante Details verschwendet werden.

Das Gleiche gilt für Email: Wenige, dafür sinnvoll gewählte Worte zu einem Eintrag über SchülerInnen notieren, die möglichst viel Wirkung erzielen.


Buch-Empfehlung zum Thema „Elternarbeit“ und „Beziehungsaufbau“

Das Buch englische Original von Autor Dale Carnegie „How To Win Friends and Influence People“, einem ehemaligen Lehrer und Unternehmer, ist für mich DAS Grundlagen-Buch gewesen, um zu lernen, die Meinungen und Bedürfnisse von Menschen besser zu hören und so richtig auf sie eingehen zu können. Mit diesem Buch habe ich gelernt, Menschen nicht für das zu verurteilen, was sie sind, sondern ihre Perspektive einzunehmen und auf diese Art lösungsorientiert zusammen zu arbeiten. Für mich ist dies eines der allerwichtigsten Bücher, die mir geholfen haben, mich persönlich und beruflich weiter zu entwickeln. Es kann dir in allen Bereichen des Lebens helfen, persönlich zu wachsen und besser mit Menschen zusammenzuarbeiten.


 

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Photo Credit: https://www.pexels.com/photo/brown-hen-near-white-egg-on-nest-195226/

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. omachrista79 sagt:

    Lehrer sein ist bestimmt nicht immer einfach

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  2. davidecarls sagt:

    Manchmal ist es schon eine echte Herausforderung. Dafür kann es wirklich Spass machen, wenn man den Draht zu den Kindern findet 🙂 Danke für den Kommentar, lg

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