Klassenklima und Unterrichtsstörungen in 7 Schritten meistern – Garantiert. (Teil 6 – Cool bleiben und Strategien zur Distanzierung)

 

Lesezeit: 5-10min. +

 


 

Wissen Sie was, Frau/Herr Müller?! Mir ist eh schei**egal, was Sie zu sagen haben!

(Hey, immerhin hat das Kind die Lehrperson gesiezt… 😉 )

 


Als Berufseinsteiger nimmt man Vieles persönlich…

Liebe Lehrerinnen und Lehrer

Wir alle kennen wahrscheinlich von irgendwo das Gefühl, dass wir im Unterricht eine “Störung” erleben und uns betroffen fühlen, sprich Störungen persönlich nehmen, weil es unseren Aufgabenbereich, den Unterricht unterbricht und unsere Autorität für einen kurzen Moment auf die Probe stellt. Stress entsteht und man kommt ins Schwitzen.

Besonders als Berufseinsteiger kämpft man man mit diesem Problem, gerade wenn man zum ersten Mal mit einem Vollpensum unterrichtet, für den Schulalltag viel Energie braucht und mit der Zeit anfälliger wird für anstrengende Geschehnisse wie Störungen.

Dies kann so weit gehen, dass einem die Gedanken kreisen und kreisen, man diese emotionale Anstrengung nach Schulschluss einfach nicht loslassen kann und sogar nach Hause nimmt, wo man vielleicht sogar nachts im Bett liegt und immer noch darüber nachdenkt.

Zur Beruhigung – Es ist völlig normal, dass man gewisse Gedanken nicht so schnell loslassen kann, weil einen verschiedene Anliegen stark beschäftigen, gerade wenn man neue und herausfordernde Situationen erlebt.

Gesundheitlich muss man aber aufpassen, dass man sich von solchen Gedanken nicht stunden- oder tagelang stressen lässt, weil dies sehr viel Energie rauben kann, so dass man sich nicht mehr auf die eigentlich wichtigen Aufgaben konzentrieren kann.

Dazu soll dieser Blogbeitrag helfen.

Hier werden verschiedene Perspektiven oder Ansichtsweisen besprochen, wie man Unterrichtsstörungen oder respektloses Verhalten von SchülerInnen entspannter einordnen und damit umgehen kann, damit man die Sache schneller abschliessen und wieder vergessen kann.

Gemäss dem Titelfoto dieses Blogbeitrags (deutliche Grenze auf einem Tennisplatz) muss jede Lehrperson sich während dem Berufseinstieg damit auseinandersetzen, wo die persönlichen Grenzen gezogen werden, z.B. bei den Unterrichtsregeln, im Sozialverhalten der SchülerInnen und zwischen der Trennung von Privat- und Berufsleben.

Zuerst aber eine kurze, passende Geschichte.

Die Geschichte vom jungen und alten Polizisten

Zwei Polizisten sind gemeinsam auf Streife.

Der eine ist ein frisch ausgebildet, 25 Jahre alt und äusserst motiviert. Der Partner ist bereits 55 und ein alter Fuchs, aber immer noch sportlich und geht weiterhin gerne mit den Sirenen ins Strassengeschehen.

Später, auf der Autobahn, halten sie ein rasendes Auto an. Die Polizisten laufen je zu einer Seite des Fahrzeuges heran. Es steigen zwei „Täter“ aus dem Auto. Sie sehen nicht ein, dass sie gerast sind und fangen an zu toben.

Der junge, 25-jährige Polizist fängt an mit dem einen Täter zu diskutieren und zu erklären, weshalb Rasen gefährlich sei, was das Gesetz sagt usw. Dieser wiederum fängt an respektlos zu werden und spuckt dem jungen Polizisten plötzlich mitten ins Gesicht. Der Neuling ist total empört und kann nicht fassen, was gerade passiert ist. Dabei dreht er total durch, läuft kochend rot an und fängt an zu schreien, was ihm eigentlich einfalle! Energisch zieht er die Pistole hervor, richtet sie zitternd auf den Raser und zwingt in so langsam in die Knie. Innerlich ist er aber total verunsichert und wird in der Nacht vielleicht nicht schlafen können…

In der Zwischenzeit hat der alte Polizist sich auch schon Beleidigungen vom anderen Raser anhören dürfen. Er reagiert aber ganz anders, denn er hat ähnliche Situationen schon mehrmals erlebt. Ruhig sieht er sein Gegenüber an und sagt Folgendes ganz deutlich: “Gut, du hast jetzt zwei Optionen. Die erste ist – ich werde nun einen Strafzettel für das Rasen und das Beleidigen von Beamten ausstellen. Das ist die angenehmere Variante. Die zweite Option ist, dass du dich wehrst, mich anspuckst usw., sprich die ganze Situation noch schlimmer machst. Was danach kommen wird, weisst du genau. Deine Entscheidung.” Der Raser verstummt kurz und lässt sich dann grummelnd den saftigen Strafzettel aushändigen, schliesslich will er lieber nur Geld blechen anstatt ins Gefängnis zu kommen…

Sind Lehrpersonen Polizisten…?

Diese Geschichte soll nur eine kleine Analogie zu unserem Beruf in besonders extremer Form darstellen. Damit will ich nicht sagen, dass Lehrpersonen den Polizisten spielen sollen, es ist nur die Berufsgattung, welcher auch mit Menschen und u.a. Disziplinierung zu tun hat.

Es soll auch nicht heissen, dass unsere SchülerInnen Verbrecher sind, sondern sich nur manchmal wie kleine Verbrecher verhalten können… Und als Lehrpersonen wollen wir ja, dass junge Menschen das Beste aus sich machen und bei uns lernen, wo bestimmte Grenzen liegen.

Was diese Geschichte eigentlich darstellen soll, ist die sehr unterschiedliche Reaktionsweise des jungblütigen und des erfahrenen Polizisten.

Der alte Hase ist nicht erstaunt über die Geschehnisse und tut einfach, was er tun muss – er macht seinen Job so wie immer und nimmt nichts persönlich. Er folgt der logischen Konsequenz.

Durch diesen Blogbeitrag will ich erreichen, dass du als Leser einen grossen Schritt voraus machst, indem du durch verschiedene Betrachtungsweisen von respektlosem Verhalten und co. sachlicher und objektiver einordnen kannst.

Somit wirst du schon von Anfang an ein alter Hase sein und herausfordernde Situationen im Unterricht mit Leichtigkeit angehen können.

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http://perezhilton.com/2016-03-22-jake-gyllenhaal-jimmy-fallon-point-pleasant-police-department-spitting-food#.Wpq3VRPOXOQ

Konsequenz²

Kurze Repetition 😉

In einem vorigen Kapitel dieser Serie habe ich die nicht nur ein wenig wichtige, sondern absolut essentielle und stetige Konsequenz gegenüber Störungen diskutiert.

Diese sollte beinhalten, dass man als Lehrperson schon vorher weiss, welche Konsequenzen man ziehen wird und grundsätzlich sollte dabei möglichst alles dokumentiert und den Eltern weiter-kommuniziert werden, damit alle Parteien stets wissen, welche Konsequenzen dies für z.B. das Schulzeugnis am Ende des Semesters haben kann.

Wie man wirklich konsequent wird und welche Schritte dazu gehören kann also nochmals in diesem Kapitel nachgelesen werden.

Dein “Mindset” (engl.) = Haltung / Denkweise

Nun folgen verschiedene Perspektiven oder Betrachtungsweisen (nach Buchstaben geordnet), wie man Störungen im Unterricht einordnen kann, damit diese zu sachlicher und nicht persönlicher Natur werden. Damit können Lehrpersonen ihr Gemüt aufrecht erhalten, was zu einem besseren Unterrichtsklima führt und auch ermöglicht, sich nach Feierabend keine oder weniger Gedanken über schwierige Situationen zu machen, sondern wieder Energie zu tanken.

 

A – Du tust dem Kind durch Konsequenzen einen Gefallen (langfristig).

Eine “harte” Konsequenz zu erleben, wie z.B. mehrere negative Sätze über sich selber dokumentiert zu lesen oder eine Zurechtweisung der Eltern zu Hause zu hören, spürt jeder Mensch selber als beschämend, selbst wenn man es vielleicht nicht nach aussen zeigt. Jeder Mensch möchte eigentlich irgendwo durch gut sein im Leben und das kann durch Schriftliches festgehalten oder eben widerlegt werden…

Jede Konsequenz, die man im Kindes- und Jugendalter als Lehrperson den SchülerInnen zu spüren lassen gibt, ist für sie ein normaler Lernprozess.

Sie experimentieren noch und einige müssen noch lernen, welche Werte und Normen wichtig sind, damit man als Gesellschaft gemeinsam funktionieren kann.

Und es gibt nun mal einfach Kinder, dessen Eltern solche Werte zu Hause nicht ausreichend leben.

Dann tust du als Lehrperson dem Kind einen umso grösseren Gefallen für dessen eigene Zukunft.

Denn wenn sie jetzt bei dir in der Schule lernen, was Respekt und eine gewisse Disziplin heisst, werden sie als Erwachsene viele eher ein erfolgreiches Leben führen (und z.B. keine Raser-Bussen bezahlen… ;).

(Nochmals kurz zum Thema Strafen – Ich selber habe gemerkt, dass eine gute Beziehung zu den SchülerInnen, gezieltes Loben und der Blick auf langfristige Ziele, wie ein gutes Zeugnis, viel wirkungsvoller ist als der ewige Teufelskreis von Bestrafungen. Für mich persönlich heisst das – Finger weg von Strafen.)

 

B – Trenne das Verhalten vom Menschen, dem „reinen“ Wesen.

Wenn SchülerInnen sich nervig verhalten, heisst es nicht, dass sie schlechte Menschen sind.

Es zeigt nur, dass sie bestimmte Verhaltensformen erlernt haben, aufgrund verschiedener Faktoren aus ihrer persönlichen Lebenswelt, welche sie bisher geprägt haben.

Familiengeschichte, Freundeskreis usw. sind z.B. alles entscheidende Faktoren, die Einfluss auf ihr Verhalten haben.

Neugeborene Menschen, glaube ich, sind von Grund auf gute Wesen. Es ist nur die Frage, in welche Umwelt sie aufwachsen und welche Reife sie wann erreichen.

Hätten sie andere Eltern oder andere Freunde gehabt, würden sie heute vielleicht ein anderes Verhalten an den Tag legen. (Du bist der Mensch, vom Durchschnitt der fünf Menschen, mit denen du die meiste Zeit verbringst.)

Solange unsere SchülerInnen noch jung sind, haben wir die Möglichkeit, ihnen zu zeigen, dass es noch andere Wege gibt, mit Frustration und co. umzugehen.

 

C – SchülerInnen stören aus verschiedenen Gründen, aber NICHT wegen dir persönlich.

Wie vorhin erwähnt, verhalten sich Menschen auf ihre eigene Art und Weise, weil verschiedene Faktoren im Klassenzimmer wie z.B. Erziehung, SchülerInnen-Konstellation, Raumordnung, Schulfach, Unterrichtsform usw. zusammenkommen, auf welche du über längere Zeit mehr und mehr Einfluss nehmen werden kannst, wenn du daran arbeitest. Aber das ist ein anderes Thema.

Störungen oder respektloses Verhalten haben in erster Linie nichts mit dir persönlich zu tun… solange du es nicht selber zu etwas Persönlichem machst.

Wenn SchülerInnen den Unterricht stören, sind sie zuerst einmal z.B. durch etwas anderes abgelenkt, aber es ist grundsätzlich nicht als persönliche Beleidigung an dich als Lehrperson gemeint.

Sie sind einfach gerade mit hundert anderen Dingen beschäftigt, welche im Grunde genommen nichts mit dir zu tun haben, ausser du nimmst sie selber auf den Kieker. Dann bist du irgendwann selber Schuld, wenn du dich auf ihr Niveau herunter lässt…

Nimm also nichts persönlich, Störenfrieden haben einfach gerade anderes im Kopf als DEINEN Unterrichtsstoff.

 

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https://giphy.com/gifs/swag-it-out-rSAu8ZuV79cs0

 

D – Störungen sind nicht Probleme, sie sind einfach Teil des Schulalltags.

Bei Störungen muss ich einfach meinen Job machen und konsequent sein – that’s it.

Betrachte Störungen nicht als persönlichen Affront, sondern einfach als einen Teilbereich deiner Aufgaben als Lehrperson, um welche du dich kümmern musst, selbst wenn dabei mal ein paar Minuten deines Unterrichtes hinterherhinkt.

„Störungen“ sind „normal“ und gehören zum Schulalltag. Die Frage ist, was wir daraus machen. Schule heisst nicht nur Stoffvermittlung, sondern viel mehr Werte-Vermittlung.

It’s nothing personal, just business!

 

E – Fehlende Bewegung und Hormone machen ihr Leben nicht einfacher.

Viele Kinder und Jugendliche müssten sich im Alltag eigentlich viel mehr bewegen.

Das belegen hunderte Studien und wird auch von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen.

Dann gibt es gibt natürlich viele junge Individuen, die das Mehrfache an Bewegung bräuchten, oder dessen Hormone im Wachstum verrückt spielen, sprich zu viel Energie oder umgekehrt zu starker Müdigkeit führen.

Leider bieten die wenigsten Schulen mehr Sportunterricht oder Erholungsräume an (ausserdem sind Stundenpläne fix), daher ist es auch nicht verwunderlich, dass der grösste Lärm im Gang und auf dem Pausenplatz entsteht.

Als Lehrperson bist du hier wieder einmal in der Zwickmühle zwischen menschlicher Biologie und dem öffentlichen Schulsystem.

So kannst du unruhige oder AD(H)S-Kinder und co. als nicht „böswillig“ betrachten, sondern verstehst ihr Verhalten.

Vielleicht kannst du es in deinem Unterricht sogar möglich machen, mehr Bewegung einzusetzen oder ein “unruhiges” Kind beauftragen, sich für ein paar Minuten auf dem Gang bewegen zu gehen, bis es sich wieder konzentrieren kann etc.

 

 

F – Sei konsequent für das Wohl der anderen MitschülerInnen.

Wenn du konsequent bist, tust du nicht nur dir selber einen Gefallen, sondern der ganzen Klasse, weil ihr einerseits mit dem Unterricht weiterfahren könnt und die anderen SchülerInnen beobachten können, wohin respektloses Verhalten führen kann.

Daher plädiere ich dafür, manchmal Konsequenzen vor der ganzen Klasse zu ziehen (aber ohne jemanden persönlich zu blamieren).

Beispielsweise lasse ich den Kommentar im Klassenzimmer fallen: „SchülerIn X, deine Eltern erhalten heute eine Email-Kopie meiner Notiz, dass du heute während dem Unterricht trotz mehrfachem Hinweis geschwatzt hast. In Zukunft wünsche mir mehr Respekt von dir.“ etc.

 

G – Grosse Menschengruppen werden einfach laut – auch Erwachsene.

Lade mal 20 Personen zum Spielabend bei dir zu Hause ein und organisiere ein Spiel.

Du wirst schnell merken, dass es auch dann schwierig ist, als Spielleiter immer alle ruhig zu halten – Wir sind alles nur Menschen…

Du musst an deinen Strategien arbeiten, wie du grosse Gruppen wieder beruhigen kannst, oder vor allem selber ruhig bleibst. P.S. Nonverbale Signale schonen deine Stimme, anstatt selber laut zu werden (z.B. Augenkontakt, Finger auf die Lippen etc.).

Ausserdem ist eine eher “laute” Klasse nicht zwingend unproduktiv, wenn du z.B. Gruppenarbeit erteilt hast, entscheidend ist das Ergebnis. Und wer nur schwatzt, muss sich nachher nicht wundern, wenn die Note nicht wie gewünscht resultiert.

 

H – Ein „verlorener“ Tag von rund 600-900 Schultagen…?

Wenn du mal genau ausrechnest, wie viele Tage Schule ein Kind während eines gesamten Schulzyklus bei dir hat, z.B. 4.-6. Klasse, dann merkst du sehr schnell, wie viel Zeit ihr eigentlich miteinander verbringen werdet.

Du hast also sehr viel Zeit mit diesem und den anderen Kindern der Klasse.

Wenn da mal die eine oder andere Lektion “in die Hose geht” ist es kein Drama.

Du hast noch genug Zeit für den Stoff und die Erziehung von Störenfrieden etc. während zwei bis vier Jahren.

Last but not least…

 

I – Letztendlich sind Eltern die Verantwortlichen, nicht wir Lehrpersonen.

…Wer hat diese Kinder in die Welt gesetzt? Bei wem wachsen unsere SchülerInnen auf? Von wem lernen sie Grundprinzipien im Leben? Wer ist für sie verantwortlich?

Eltern sind letztendlich voll verantwortlich für das Leben ihrer Kinder, auch wenn sich einige dessen nicht wirklich bewusst sind… (abgesehen von Helikopter-Eltern).

Die meisten Lehrpersonen sind sehr engagiert und das Wohl sowie der Erfolg im Leben der SchülerInnen liegt uns schlussendlich doch irgendwie am Herzen (auch bei den Nervensägen…), denn am Ende wollen wir Menschen eigentlich alle das Gleiche – ein erfülltes Leben führen.

Wenn du als Lehrperson schon praktisch alles getan hast, was in deiner Macht steht (u.a. wie in den verschiedenen Kapiteln dieser Serie “Klassenklima”), dann bin ich persönlich der Meinung, dass du deine Grenze irgendwo ziehen darfst.

Du kannst nicht allen helfen und wenn dein Unterricht unter einzelnen SchülerInnen langfristig leidet – es ist nicht deine Schuld.

Die Eltern und die betroffenen SchülerInnen wurden regelmässig, transparent und ausgiebig informiert sowie Unterstützt. Man hat die „Hand“ mehrmals angeboten, aber sie wurde entweder abgelehnt oder nicht verstanden.

Ab diesem Zeitpunkt muss man den Parteien Eltern und Kind mitteilen, dass es so weitermachen kann, aber dann entsprechend schlimmere Konsequenzen folgen werden – von Zeugnissen mit besonders schlechter Beurteilung des Sozialverhaltens, über Unterrichtsdispensation und Time-Outs, im schlimmsten Fall bis hin zum möglichen Schulausschluss (obwohl Letzteres wirklich schlimm ist, da die Chance auf dem Arbeitsmarkts praktisch gleich Null sein wird, daher ist dies möglichst immer zu verhindern!).

Wenn es wirklich nicht mehr geht, muss man als Lehrperson einfach weiter alles dokumentieren, was so geschieht, damit man auf alle Geschehnisse zurückgreifen und mit KollegInnen, Schulsozialarbeit, Schulleitung usw. besprechen kann, was die nächsten Massnahmen sein könnten.

Nimm nicht alles auf deine Schultern. Schlussendlich ist der Lehrberuf auch nur ein Job und du tust schliesslich dein Bestes. Wenn es irgendwo nicht mehr weitergeht und du schon genügend Energie investiert hast, kann du auch mal loslassen und die Dinge einfach niederschreiben und es dabei sein lassen.

Gewisse Menschen kann man nicht zu ihrem Glück zwingen…


 

Und nun zum Schluss…

5min.-Challenge für dich

Nimm dein Notizbuch oder ähnlich und schreibe dir selber auf, welche Perspektiven für dich aus diesem Blogbeitrag Sinn machen. Vielleicht fallen dir auch noch weitere Strategien ein, wie du dich von schwierigen Unterrichtssituationen distanzieren kannst, sprich wo deine Aufgabenbereiche aufhören etc. Lerne „Nein“ zu sagen!

Bei einer nächsten Störung, welche dich stark beschäftigt, liest du nochmals deine Notizen nach und versuchst das Problem so einzuordnen, damit du es “abgeben” und relativieren kannst.

Die Transformation, welche du persönlich erreichen solltest, besteht darin, dass du Störungen als normalen und sachlichen Teilbereich der Lehrauftrags betrachtest.

Bei Störungen folgst du einfach der logischen Konsequenz – ohne Emotionen.

Deine Auftrag dabei sollte klar sein – unterstütze das Kind dabei, gesellschaftliche Werte wie Respekt usw. zu erlernen.

Eines Tages wird es sich vielleicht sogar bei dir bedanken…

Zwei Bonus-Tipps

1 Wie du bestimmte Eltern an die kurze Leine nehmen kannst

Eltern, die nicht auf deine Hinweise über das Verhalten von SchülerInnen reagieren und zu Hause nicht mit dem eigenen Kind genügend besprechen, kann man auf eine sehr simple Art und Weise selber nochmals ein wenig “erziehen”.

Es kostet dich als Lehrperson zwar kurzfristig einiges an Zeit, aber diese investierte Zeit kann sich langfristig sehr lohnen, weil die Probleme schneller ernst genommen werden.

Die Strategie lautet wie folgt – Wenn sich negatives Verhalten überhaupt nicht bessert, beginnst du die Eltern des Kindes wöchentlich in die Schule zu bestellen. Nach spätestens 3-4 Wochen aneinander kannst du fast sicher davon ausgehen, dass sich etwas verbessern wird, denn die Eltern werden schnell keine Lust mehr haben, wöchentlich in der Schule zu erscheinen.

Gesetzlich müssen sie dies in praktisch allen deutschsprachigen Ländern tun, wie es Elternrechte & -Pflichten vorschreiben. Das Vernachlässigen eines Kindes kann in manchen Fällen sogar zu Geldstrafen etc. führen.

 

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https://imgur.com/gallery/6lLyoq5 

 

2 Dein Zuhause sollte eine Erholungsoase sein, nicht dein Arbeitsplatz.

Lerne dich nicht nur mental sondern auch physisch zu distanzieren.

Wir kennen das alle – Zu Hause angekommen denken wir immer noch über die Arbeit nach oder müssen sogar noch arbeiten.

Der menschliche Körper und Geist braucht regelmässig Erholung, besonders bei einem Beruf wie als Lehrperson.

Daher ist meine Empfehlung, grundsätzlich nur in der Schule zu arbeiten, möglichst gar nicht zu Hause – Unterricht vorbereiten, Prüfungen korrigieren etc., sprich früher in die Schule zu gehen oder ein wenig länger zu bleiben, sowie zu Hause sich dann selber zu zwingen, nicht mehr über die Schule nachzudenken, egal wie mühsam sich einzelnen SchülerInnen verhalten haben.

Dies mag nicht auf alle Menschen zutreffen, doch ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass je länger ich meinem Geist und Gehirn zulasse über dein Problem mich auseinandersetzen lasse, kreisende Gedanken ab einem gewissen Punkt nicht mehr besser werden. Es wird dann eher schlechter, weil es einem noch mehr Energie raubt.

Wenn dann schreibe ich mir eine möglich Lösung auf und sehe sie mir am nächsten Morgen dann an, wenn ich wieder in der Schule bin und probiere es aus.

Das eigene Zuhause sollte mit reiner Erholung assoziiert werden, als würde man in die Ferien gehen und die Zeit in einer Ferienwohnung oder Hotel geniessen.

Die Probleme aller Welt kann man am nächsten Tag wieder in Angriff nehmen, aber gehört die Zeit und dein Leben ganz alleine dir und den Menschen oder Hobbys, welche dir am wichtigsten sind.

Apropos physisches Distanzieren – Wann hast du das letzte Mal beim Sport eine Stunde richtig geschwitzt, wenn du gestresst warst? Die Endorphine tun immer gut… 😉

 


 

I can’t make you happy unless I am.

von Ziggy Marley aus dem Lied „True To Myself“

Sohn von Bob Marley, jamaikanischer Reggaemusiker, geb. am 17. Oktober 1968

 


 

Viel Erfolg bei der Umsetzung!

Euer Davide

 

 

Buchempfehlungen zum Thema “Cool bleiben und distanzieren”

Folgend möchte ich nochmals zwei sehr gute Bücher empfehlen, welche bereits im Kapitel “Wirklich konsequent werden” genannt wurden. Sie illustrieren besonders gut, welche Rolle wir im Spannungsverhältnis Schule-Gesellschaft-Individuum wir als Lehrpersonen einnehmen können, um mit einer möglichst zielorientierten Haltung gegenüber Störungen durch SchülerInnen zu treten.

1) Stärke statt Macht: Neue Autorität in Familie, Schule und Gemeinde von Prof. Dr. phil. Haim Omer

sowie

2) „Neue Autorität“ in der Schule – Präsenz und Beziehung im Schulalltag (Spickzettel für Lehrer) von Psychologe Martin Lemme und Bruno Körner

Beide Bücher geben einen vertieften Einblick in die Thematik der Autoritätsfrage als Erwachsene. Sie können Eltern sowie Lehrpersonen mit klaren Strategien und Konzepten helfen, die eigene Rolle gegenüber jungen Menschen und lösungsorientierte Vorgehensweisen zu finden.


 

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Photo Credit: https://www.pexels.com/photo/close-up-photography-of-a-white-line-209981/

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